JATROS Orthopädie & Traumatologie Rheumatologie 2018/6

36 Orthopädie& Traumatologie Rheumatologie 6 /2018 Kongress ORTHOPÄDIE & TRAUMATOLOGIE Impuls Hüfte – Tradition aus Leidenschaft Alle zwei Jahre lädt die Firma ImplanTec Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zum Erfahrungsaustausch nach Mondsee. Neben aktuellen Studienergebnissen lag diesmal ein Schwerpunkt auf dem Thema Sicherheit in der Hüftendoprothetik. D ie Veranstaltung „Impuls Hüfte“ stand heuer unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Christoph Lohmann aus Magdeburg, der einleitend einen Über- blick über die laufende prospektive Multi- center-Studie zu den ANA.NOVA®-Pro­ dukten gab. „Die bisherigen klinischen Ergebnisse aus 7 Kliniken mit bereits über 500 eingeschlossenen Patienten sind sehr gut, die Systeme sind sicher und die Ins­ trumente ausgereift“, so Lohmann. Speziell der Aktivitätsanstieg bei den operierten Patienten und die hohe Patientenzufrie- denheit seien bemerkenswert. Die Präsentation der Subgruppenbe- richte begann Dr. Sabine Junk-Jantsch vom Evangelischen Krankenhaus Wien, wo Einjahresergebnisse mit dem SL Com- plete® Schaft in Kombination mit der Hy- brid Pfanne vorliegen. Junk-Jantsch be- tonte die gute Osteointegration des Schaf- tes durch Doppelbeschichtung und die rasche Mobilisierung der Patienten unter Vollbelastung. Dr. Manfred Höflehner aus Schwarzach präsentierte Daten zum Alpha Schaft, der in Magdeburg, Schwarzach und Eisenstadt in Kombination mit der Alpha bzw. Hybrid Pfanne angewendet wird: „Wir sehen hohe Patientenzufriedenheit, ausgeglichene Beinlängen und dynamische Gangbilder. Das System ist für alle Zugänge gleicher- maßen geeignet und bietet eine maximale Variabilität bei verschiedenen anatomi- schen Gegebenheiten.“ Die Ergebnisse zum Solitär Schaft® in Kombination mit der Hybrid Pfanne liefer- te Dr. Thomas Ramsauer aus dem Kran- kenhaus Oberndorf. Auch hier zeigten sich hohe Patientenzufriedenheit und geringe Komplikationsraten, das System sei zudem „bei jedem BMI anwendbar“. Dr. Werner Maurer-Ertl berichtete schließlich aus Graz und Eisenstadt zum Kurzschaft Alpha Schaft® proxy, dessen Vor- teil er in der „absoluten Schonung des Tro- chanter major“ sieht. Der Proxy Schaft biete hohe Planungsgenauigkeit und die Möglich- keit der Offset-Rekonstruktion mit nur einer Schaftversion. Es ist ein simples Implantat mit einfacher Implantation und sehr guten klinischen und radiologischen Daten. Neues zu Cerclagen Dr. Katharina Gordon, Salzburg, prä- sentierte eine Studie an 20 Knochensimu- laten (Sawbone®) mit Vancouver-B1-Frak- turen, die entweder mit winkelstabiler Platte (NCB®, Zimmer) oder einem Cercla- ge-System (CCG®, ImplanTec) versorgt worden waren. Letzteres zeigte im Ver- gleich zur Platte biomechanische Vorteile hinsichtlich Axialsteifigkeit, Bruchlast, Fragmentbewegung und Zyklen bis zum Versagen. Beim Nachsinken war in dieser Studie die Platte überlegen. Langjährige gute Erfahrungen mit CCG® in der Revision hat Prof. Dr. Man- fred Weissinger aus Zwettl. Die Anwen- dung sei einfach und die breiten Bänder würden nicht in den Knochen ein- schneiden und eine hohe Stabilität ge- währleisten. Eine retrospektive Analyse von Patien- ten mit periprothetischen Femurfrakturen am Klinikum Wels-Grieskirchen ergab ei- ne raschere Mobilität der Patienten mit Cerclage versus Platte. Komplikationen und Revisionsraten waren vergleichbar. „Platten, Schaftwechsel und Cerclagen haben alle ihre Berechtigung bei B2-Frak- turen, es gibt aber Unterschiede bei der postoperativen Remobilisation“, schluss- folgerte Dr. Christoph Charwat-Pessler. Periprothetische Infektionen PD Dr. Christian Stärke, Magdeburg, stellte sein Konzept der Infektversorgung vor, das ausgiebiges Débridement und ge- zielte konsequente Antibiotikatherapie beinhaltet. Intraoperativ sollten mindes- tens 6 Proben entnommen werden. Idea- lerweise sei ein Erregernachweis zu „er- zwingen“. Wichtig sei es vor allem, „ein Konzept überhaupt zu haben und sich konsequent daran zu halten“. Auch Dr. Nicolas Haffner, Mödling, ent- nimmt bei Infekten 5–6 Gewebsproben („keine Abstriche, sondern Biopsien!“) und hält ebenfalls den Keimnachweis für we- sentlich. Ein Prothesenerhalt sei möglich bei Symptomdauer <3 Wochen, stabiler Prothese, guter Weichteilsituation und ei- nem Erreger, der gut zu behandeln ist. Vorteile von Keramik-Keramik- Paarungen Gegenüber Metall und PE weisen Kera- mikoberflächen eine geringere Adhäsion von Bakterien auf, erklärte Dr. Heinrich Mannel von CeramTec, Deutschland: „Ke- ramik induziert auch keine inflammatori- schen Prozesse und keinen oxidativen Stress; es gibt keine Korrosion und keine Ionenfreisetzung.“ Von klinischer Rele- vanz könnte auch die sehr gute Proteinad- sorption sein, die möglicherweise eine bessere Einheilung von Keramikimplanta- ten bewirkt. Einen tribologischen Vorteil von Keramik-Keramik-Paarungen sieht Dr. Thomas Mattes, Sportklinik Ravensburg, vor allem bei Hüftdysplasie, denn: „Diese Patienten sind jung und erleben im Zwei- felsfall relevanten Abrieb.“ Noch wichtiger als das Material sei aber die richtige Indi- kationsstellung: Wie im Einzelfall behan- delt wird, sollte sich vor allem an den An- sprüchen des Patienten orientieren. Kurzschäfte und professionelles Beschaffungsmanagement Einen Überblick über verschiedene Mo- delle der Schaftklassifikation gab Dr. Gün- ter Sinz, Pinkafeld/Wien. Meist wird nach Jerosch in schenkelhalserhaltend, -teiler- haltend und -resezierend unterschieden. Jedoch gibt es noch viele weitere Parame- ter, wie anatomische Rekonstruktion, Bie- geelastizität des Femurs usw. Sinnvoll ist nach Sinz auch eine Unterscheidung nach Schaftverankerung und Krafteinleitung. Dr. Günter Hipmair, Linz, stellte den Fitmore®-Schaft vor, der seiner Erfahrung

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